Warum bin ich Veganerin?

Hallo Zusammen!

Da bin ich wieder. Sprechen, oder in dem Fall: schreiben, wir heute doch mal über Veganismus. Ein absolut aktuelles Thema, sowohl in unserer Gesellschaft, als auch in meinem persönlichen Leben. Super, noch so eine Veganer-Tante, die uns mit ihren heiligen Predigten beglücken möchte. Ja allerdings bin ich eine von den Veganer-Tanten, aber Predigten möchte ich dennoch nicht halten. Jedoch wäre ich sehr angetan, wenn sich auch Nicht-Veganer das durchlesen, was hier steht. Einfach nur mal um offen zu sein, schließlich sollten Veganer auch gegenüber Nicht-Veganern offen sein und ihre Lage verstehen. Ich möchte auf keinen Fall jemanden etwas aufzwingen, das ist nämlich anstrengend für beide Seiten, aber ich bin ein Bewunderer des Offenseins, der Neugier und des Hinterfragens unserer Gesellschaft. Aber fangen wir einfach an.
Warum bin ich jetzt Veganerin geworden und warum muss ich das jetzt erwähnen?





...Tiere

Sie waren der Hauptgrund warum ich Veganerin wurde. Seitdem ich ein kleines Kind war fühlte ich mich schon immer tief verbunden mit allmöglichen Tieren. Mich hat es damals schon fasziniert, wie liebenswürdig, offen, ehrlich und unkompliziert sie sind.
Ich war schon immer ein außergewöhnliches Kind. Ich war zwar nie wirklich beliebt, aber mich konnte man doch sehr leicht glücklich machen. Man musste mich nur ganz allein lassen. Ich versank in meiner eigenen kleinen Welt und liebte jeden Teil davon. Menschen waren mir schon immer zu kompliziert mit ihren kleinen Streitereien, Stress und allmöglichen anderen Kram. Ich wollte nur Frohsinn in meiner Welt. Ich denke, genau das ist es warum mir Tiere so am Herzen liegen. Sie passten einfach in meine kleine Welt. Ich finde es jedes mal amüsant, wie ähnlich mir Lisa Simpson von "Die Simpsons" ist! 

Wenn ich die Straßen entlang ging, war ich immer die langsamste. Ich achtete penibel darauf ja keine Käfer und Ameisen zu zertreten. Wenn eine Schnecke nach dem Regen ihren Weg den Bürgersteig oder der Straße kreuzte, nahm ich sie vorsichtig hoch und setzte sie in einen Busch oder auf einen Ast, damit sie nicht zertreten wurde. Ja... so ein Kind war ich.

Als ich acht Jahre alt war, schaute mein Vater eine Dokumentation über Schweinehaltung. Wie wir alle wissen, werden Schweine nicht nur zum Spaß gehalten. Sie haben in der Gesellschaft den Nutzen uns zu 'nähren'. Sie werden ermordet... Anders kann ich es nicht ausdrücken. Als ich sah, wie die Schweine litten, wollte ich den Leichnam eines einst noch lebenen Jemands nicht mehr auf meinem Teller, geschweige denn in meiner Nähe haben. Ich wurde Vegetarierin. Ich habe diese Entscheidung aus eigener Überzeugung getroffen und meine Eltern hatten keinen anderen Einfluss mich diesbezüglich. Dennoch waren sie sehr unterstützend. Ich wünschte es wäre in anderen Familien genau so...

Ich aß zwei Jahre ohne Unterbrechung vegetarisch. Nach diesen zwei Jahren holten mich alte Traditionen wieder ein. Freunde überzeugten mich Fleisch zu essen. Seit dem hatte ich den Film über die Schweine schon wieder ausgeblendet. Ich finde es jedoch erstaunlich, dass ich mit 8 Jahren den Willen dazu hatte, mich gegen die gesellschaftliche Norm zu stellen. Ich könnte diesbezüglich nicht stolzer auf mich sein. Nicht weil ich kein Fleisch gegessen habe, sondern weil ich etwas verändert habe und das getan habe, was ICH für richtig hielt. 

2013, ich war dreizehn oder vierzehn Jahre alt, wurde der Pferdefleisch-Skanal  in den Medien bekannt gegeben. Pferdefleisch in Fertigprodukten... Für mich als damals überzeugte Reiterin purer Horror sich nur vorzustellen, wie diese wundervollen Wesen zum Schlachter geführt werden. Ich erinnerte mich an das Schweinevideo und entschied Fleisch (Schwein, Rind und Geflügel) wieder von meinem Speiseplan zu nehmen. Nach einiger Zeit fragte mich meine Schwester beim Mittagessen: "Nina, wieso isst du eigentlich noch Fisch, wenn du es nicht gut findest, wenn Tiere für Essen getötet werden? Fische sind ja genau genommen auch Lebewesen. Also warum lässt du diese eigentlich aus?" Ich hatte keine Antwort, denn sie hatte natürlich recht. Das war meine letzte Lachs-Nudelpfanne in meinem Leben. 

Nach vier Jahren vegetarischen Leben, stieß ich bei YouTube auf Veganer. Es waren so richtige Vollblut-Veganer, die für ihre Entscheidungen gerade standen. Sie waren so frisch-fröhlich, motivierend und bestätigten meine Entscheidung friedlich mit Tieren zusammenleben zu wollen. Sie klärten mich auf, inspirierten mich. Ich wollte ihre Lebensenergie. Ich wollte auch einer von denen sein. Und das war die Geschichte, wie ich mein Leben über Nacht auf den Kopf stellte. Ich bin nun einer von denen und ich kann stolz sagen: ICH BIN VEGANERIN!


...Umwelt

Die Fleisch/ -Fisch/ -Milch/ und Eiindustrie verbrauchen in unserer heutigen Zeit einfach viel zu viele unserer natürlichen Ressourcen, wie Wasser, Land, Strom usw. Es gibt so viele Tiere auf dieser Welt die bis vor ihrem tragischen Tod versorgt werden sollen. Die Tiere brauchen Unmengen an Wasser zum Trinken, so viele Tiere auf einmal verursachen enorme Mengen Co2. Das verpestet unsere Luft. Es wird ebenfalls viel Co2 für die ganzen Fleischfabriken benötigt, denn irgendwie muss das Schwein ja in die Wurst... Zudem Ganzen müssen die Tiere zusätzlich gefüttert werden. Die Mengen an Soja und Getreide muss ja auch irgendwo angebaut werden. Bei den Zahlen an Tieren braucht man unwahrscheinlich viel Platz für Futter. Jedoch geht irgendwann der Platz aus, da auch aus dem Boden keine Nährstoffe mehr gezogen werden können. Die Industrie braucht mehr Platz, und wenn kein Platz mehr vorhanden ist, wird Platz gemacht, und das ist auch einer der Hauptgründe warum es bald keinen Regenwald mehr gibt, der für uns ALLE lebenswichtig ist. Er hält unsere Luft sauber und die Tiere im Dschungel am leben. Es geht immer weiter und weiter. Es ist ein Teufelskreis aus dem wir so schnell es geht raus müssen...


...Menschen

Gerade ging es darum, dass die sogenannten "Nutztiere" sehr viel Futter und Wasser benötigen. Ich möchte dazu nur eine kurze Frage stellen und die Antwort kann man sich selbst zusammenreimen:
Was wäre, wenn wir plötzlich sehr viel Getreide und Soja übrig hätten aus denen man viele Lebensmittel einfach herstellen kann? Hätten wir dann nicht etwas für andere übrig, die es wirklich brauchen...?


...Meere

So viele Fische und andere Meerestiere werden jeden Tag aus dem Meer gefischt. Tonnenweise Tiere werden dort rausgeholt. So viele Tiere, die das Biotop aufrecht erhalten, wo jeder seine wichtige Aufgabe hat und den Kreislauf intakt hält. Selbst wenn die Fischer es nur auf eine bestimmte Art Fisch oder andere Meerestiere abgesehen haben, werden sie trotzdem noch viele weitere Spezies ebenfalls mit eingefangen. Als wäre das noch nicht genug, werden viele Netze aus Plastik im Ozean zurück gelassen. Viele Tiere, wie Delfine und Meeresschildkröten verfangen sich in diesen Netzen und kommen fast nie wieder da raus. Was ein furchtbarer Tod. Zudem zerstören sie mit den Booten und Netzen die Riffe, die sehr wichtig für unsere Meere sind. In den wunderschönen Meeren wird so viel zerstört und es muss etwas dagegen getan werden. 


...Ich

Ich möchte nicht wirklich über die gesundheitlichen Auswirkungen einer pflanzenbasierten/veganen Ernährungsweise allgemein sprechen, da ich keine Diätassistentin, Ernährungsberaterin oder Ernährungswissenschaftlerin bin. Ich sage nicht, dass tierische Produkte für den Körper schlecht oder gut sind, denn jeder Körper funktioniert anders und ich kann nur von meiner persönlichen Erfahrung berichten. Jedoch möchte ich erwähnen, dass die meisten Menschen, die Pflanzenesser geworden sind, sich besser fühlen, fitter, energetischer und fröhlicher sind. 

Um ehrlich zu sein, die ersten zwei Monate waren nicht einfach. Viele Veganer sagen es ist einfach, aber das ist es anfangs nicht wirklich. Zumindest war es bei mir so. Aber meine Motivation die Welt zu ändern und den Tieren zu helfen hat mich ziemlich angespornt. Motivation ist wirklich ein sehr wichtiger  Punkt. Wenn man die Motivation hat und wirklich etwas in der Welt ändern möchte, schafft man es auch. Und wenn ich das als relativ fauler Mensch, der keine Anstrengung mag schaffe, kann es jeder schaffen, der es wirklich will. 

Also was war es denn, was mir die ersten Monate so schwierig gemacht haben? Die Antwort ist: Schokolade, Süßkram und anderer Mist in der Richtung. Erst wenn man einen Radikalentzug macht, merkt man wie abhängig man eigentlich von der ganzen Milch und all dem ist. Es klingt vielleicht lustig, aber ich hatte eine wirkliche Sucht nach Schokolade, so die ganz klassischen Schokoriegel, wie Bueno, Kinderschokolade, Twix, Snickers usw... Ein typischer Essenstag bestand morgens aus einer kleinen Schale Müsli, mittags eine kleine Portion vegetarisches Mittagessen und mein Dessert und gleichzeitig Abendessen waren UNMENGEN an Schokolade. An einem Tag hab ich schonmal eine Tafel Milka-Oreo Schokolade, ein Duplo und ein Bueno gegessen. Oft war es auch mal mehr. Total krank, wenn ich mich daran zurückerinnere. Viel zu viel für meinen kleinen Körper.

Als ich noch vegetarisch gegessen habe, musste ich nach der Schule einen langen Mittagsschlaf, der drei Stunden andauerte machen, damit ich meine Hausaufgaben und Lernsachen unter einen Hut bekam. Nach mehreren Jahren in diesem Teufelskreis wusste ich, es stimmt etwas nicht mit mir. Naja, wenn es einem physisch schlecht geht, dann geht man auch mal zum Arzt. Das habe ich getan. Ich ließ mir Blut abnehmen und bat um ein komplettes Blutbild mit allen Vitaminen und was es sonst noch alles gibt. 


Mein Arzt rief zwei Tage später bei uns an und meine Mutter ging ans Telefon. Der Arzt fragte meine Mutter, ob ich Vegetarierin sei und sie bestätigte. Er sagte ihr, dass meine Blutwerte schlecht waren. Da ich keine Vitamin B12 Tablette zu der Zeit zu mir nahm, zeigte sich das im Blutbild. Mein B12 war etwas zu niedrig, aber eine Zahncreme mit B12 oder B12 Tabletten würden dieses Problem schnell lösen. Das war es aber nicht, was uns Sorgen machte, sondern mein extrem starker Eisenmangel. Kein wunder das ich so müde war.

Der Arzt machte uns seine Meinung deutlich. Ich zitiere: " Sie müssen Ihrer Tochter mal 'n Schnitzel um die Ohren hauen, dann geht das wieder mit dem Eisen!" Ich weiß tolle Antwort, aber das ist wohl seine derbe Art. Es kam aber für mich nicht in Frage Fleisch zu essen, also noch mehr Präparate, um das Eisen in den Griff zu bekommen. Aber weil das noch nicht genug war, diagnostizierte er mir eine Schilddrüsenunterfunktion, die ich aber wahrscheinlich schon seit dem Kleinkindalter habe. Also mussten wir zu einem anderen Arzt, der mir die richtigen Schilddrüsentabletten gab. Danach ging es in die Apotheke und wir kauften Eisentabletten, Vitamin D Tabletten für den Winter, Vitamin B12 Tabletten und holten die Schilddrüsentabletten ab.

Ich war über die Situation alles andere als begeistert, aber lieber gefühlt 100 Tabletten am Tag schlucken, als auch nur ein Stück Fleisch in den Mund zu nehmen. Ja liebe Leute so intensiv ist meine Liebe zu Tieren. Aber zum Glück stieß ich nach ein paar Jahren auf den Veganismus.

Als ich mein Leben und auch meine Ernährung änderte, veränderte sich auch mein Körper. Ich hatte solchen Heißhunger, das kann sich keiner vorstellen. Aber ich dachte immerzu an die Tiere und ich aß trotzdem keinen Bissen von tierischen Produkten. Vielleicht aus versehen, da ich mich nicht auskannte, aber sicher nicht mit Absicht. Da ich auch kaum Sport zu der Zeit trieb, nahm ich zu, da ich so viel gegessen habe. Ich habe mich so satt gegessen, auch definitiv überfressen. Ich nahm ein paar Kilo zu. Das störte mich aber nicht allzu sehr, da ich vorher sehr schlank war und mich ein paar Kurven nicht störten. Das ging zwei Monate lang so.

Irgendwann wird man besser in dem, was man macht, wenn man dran bleibt. Ich habe aufgehört einfach nur wegzulassen und teure Ersatzprodukte zu essen. Meine Mutter unterstützte mich glücklicherweise sehr und half mir neue, leckere und gesündere Rezepte zu kreieren und zu finden. Es machte sogar wirklich viel Spaß etwas ganz neues auszuprobieren und mal aus der Routine zu gehen.  Zu der Zeit war sie selbst und alle anderen in meiner Familie noch Allesesser. Trotzdem kochte sie meistens veganes Mittagessen für uns alle. Die Gerichte, die wir zauberten, schmeckten auch den Fleischliebhabern in meiner Familie. Mittlerweile wissen wir, was wir kaufen können und brauchen, ohne die Labels zu lesen, um leckeres veganes Essen zu kochen.

Ich selbst optimierte meine Ernährung nach und nach weiter und es wurde immer nährstoffreicher und gesünder. Ich nehme immernoch alle drei Tage eine B12 Tablette und die wirklich wichtigen Tabletten für meine Schilddrüse. Das war's. Ab da ging es nur noch bergauf. Es fühlte sich so an, als wäre ich eine kleine Raupe, die sich immer dicker und satter aß, bis sie sich in ihr kleines Häuschen verpuppte und eine große Verwandlung durch machte. Und heraus kam sie als ein wunderschöner Schmetterling, der fliegen kann. Vielleicht klingt das für ein paar Menschen sehr dramatisch. Aber alle, die in ihrem Leben etwas Großes ins Positive gerändert haben, verstehen was ich meine. Ich habe mich noch nie so frei gefühlt. Sowohl körperlich, als auch geistig.

Nach einiger Zeit ging ich wieder zum Arzt zum Blutabnehmen. Die Resultate waren einfach super! Alles was vorher fehlte, war im grünen Bereich. Als mein Arzt fragte, was ich verändert habe, erzählte ich ihm alles. Er war erstaunt und sprachlos. Er sagte mir nie wieder, dass ich Fleisch essen soll. Das war ein wirklicher Triumph für mich, da ich einem ausgebildeten Arzt gezeigt habe, dass es auch anders geht.

Also wie ihr seht: Veganismus hat meinen Körper und auch meine Seele in einer wirklich absolut positiven Weise geändert. Nebenbei bin ich meine zusätzlichen paar Kilos fast wieder los. Ach und noch etwas. Meine Mutter und meine Schwester sind mittlerweile Vegetarier. Sie essen trotzdem zu ca. 50% pflanzlich und ich bin sehr stolz auf sie. Mein Vater isst zu Hause kein Fleisch und er findet unsere selbst gekochten Speisen auch viel leckerer, nur wenn er unterwegs ist und nichts dabei hat, isst er auch mal Fleisch. Trotzdem schon ein Fortschritt für ihn. Mein kleiner Bruder isst im Kindergarten alles. Fleisch, Fisch etc. Mittlerweile versteht er, dass ich Veganerin bin und merkt, dass wir Dinge zuhause anders machen, als andere Familien und stellt mir auch mit seinen fast 6 Jahren manchmal Fragen darüber. Aber wie er in seiner Zukunft essen möchte und was nicht, muss er noch für sich herausfinden. Schließlich ist er noch ein Kind.

Ich hoffe ich konnte ein paar Menschen dazu inspirieren es vielleicht mal auszuprobieren, oder neue Produkte zu testen. Vielleicht habt ihr ja auch ähnliche Ergebnisse? Hört nicht darauf was andere sagen, wie ihr zu leben habt, nur weil ihr etwas anderes macht. Das ist nicht nur auf den Veganismus bezogen sondern auf das ganze Leben. Leute nannten mich schon verrückt, Alien, Extremist, komisch, bescheuert und haben sich vielleicht noch andere Sachen gedacht. Wer weiß das schon? Aber das ist mein Weg um friedlich und glücklich zu leben. Und das ist es was ich mir für jeden auf dieser Welt wünsche, ein glückliches und friedliches Leben...


Bis dann, Nina.

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